In seinem Erstlingswerk erzählt Christoph Scholder von einem Angriff auf die Demokratie in Deutschland. Was passiert, wenn eine Truppe von kampferprobten Soldaten ein Land im Inneren angreift. Und das noch da, wo eigentlich viele Menschen nur ausgelassen feiern wollen. Das erzählt der Autor Christoph Scholder in seinem ersten Roman.
Handlungsaufbau und
sprachliche Gestaltung
Zu Beginn des Romans scheint dieser nichts von einem Thriller zu
besitzen, da es vorwiegend um die Beschreibung des
Geschäftsverhältnisses zwischen Karl Romberg und Werner Vogel geht.
Eingebaut werden Schilderungen von Vorgängen beim Einsatz der
russischen Armee in Krisengebieten. Dabei wird der Hauptperson Oleg
Blochin langsam eingeführt, ebenso wie sein engster Mitarbeiterstab.
Der Leser fragt sich zu Beginn von „Oktoberfest“, was diese
Sprünge alle mit dem eigentlichen Inhalt zu tun haben. Im Verlauf
der Haupthandlung wird immer wieder auf die Geschehnisse im Vorfeld
zurückgegriffen und der Leser erhält somit ein abgerundetes Bild.
Christoph Scholder lässt seinen Roman nicht mit der Übergabe der
Diamanten und der Befreiung der Geiseln enden, sondern macht das, was
oft bei vielen Thrillern vermisst wird. Er lässt die Handlung weiter
laufen, indem er die Jagd auf die Geiselnehmer zur zweiten
Haupthandlung werden lässt.Besonders auffällig ist bei dem Thriller „Oktoberfest“, dass jedes neue Kapitel mit einem Zitat beginnt. Überwiegend sind dies Zitate von Carl von Clausewitz. Somit überzeugt der Autor den Leser, dass er sich mit der Thematik Krieg sehr intensiv auseinandergesetzt hat. Weiterhin fällt auf, dass seine Rückblicke immer genau mit Ort und Datum versehen sind. Der Leser wird also direkt in die Handlungszeit und den Ort hineinversetzt.
Es gelingt ihm den Leser durch seine sprachliche Gestaltung in die jeweilige Situation zu versetzen und durch seine Satzkonstruktionen einen angenehmen Lesefluss zu schaffen. Was das Buch lesenswert macht ist eine recht außergewöhnliche, wie auch gewöhnungsbedürftige Aufbauweise. Der Anfang wirkt ziemlich schleppend und der Leser weiß nicht so recht, was ihn erwartet. Doch Christoph Scholder gelingt es, Spannung aufzubauen, diese wieder abflachen zu lassen und wieder aufzubauen. Gerade diese Vorgehensweise macht das Buch zu einem besonderen Thriller, der den deutschen Buchmarkt um eine neue Form des Thrillers bereichert.
Auch der Einband des Romans ist gelungen. Sowohl farbliche als auch die Bildgestaltung sind sinnvoll und dem Inhalt entsprechend ausgewählt.
Christoph Scholder: "Oktoberfest", Verlag Droemer & Knaur, 2010, ISBN: 978-3-426-19888-9,19,95€
