Mittwoch, 25. April 2012

"Oktoberfest" von Christoph Scholder

Rezensiert von Kerstin Schulz --> vielen Dank dafür.

In seinem Erstlingswerk erzählt Christoph Scholder von einem Angriff auf die Demokratie in Deutschland. Was passiert, wenn eine Truppe von kampferprobten Soldaten ein Land im Inneren angreift. Und das noch da, wo eigentlich viele Menschen nur ausgelassen feiern wollen. Das erzählt der Autor Christoph Scholder in seinem ersten Roman.

„Oktoberfest“ von Christoph Scholder 

 
[Eine Gruppe von ehemaligen, russischen Elitesoldaten bringen auf dem Münchner Oktoberfest 70 000 Menschen in ihre Gewalt und fordern die bayrische Landesregierung auf, ihnen ungeschliffenen Rohdiamanten im Werte von 2 Milliarden Euro zu beschaffen. Danach sollen die Geiseln frei sein. Der erste Abwehrversuch der bayrischen Landesregierung kostet einigen tausend Menschen das Leben. Noch mehr kann nicht riskiert werden. In ihrer Hilflosigkeit wendet sich die Landesregierung an die Bundesregierung. Auch hier besteht am Anfang nur Ratlosigkeit, die nur einer beheben kann. Wolfgang Härter soll vor Ort die Lage klären. Doch auch Wolfgang Härter muss erkennen, dass der für ihn unsichtbare Gegner in Form des Kommandanten Oleg Blochin sehr gut vorbereitet ist und auch sehr stark ist. So beginnt ein Kampf um Leben und Tod zwischen zwei Rivalen, die sich in der Kriegsführung bestens auskennen und die es gewohnt sind, unter Einsatz ihres Lebens zu kämpfen. Wolfgang Härter jedoch ist in der Pflicht, seine Aktionen so zu planen, dass die Geiseln so wenig wie möglich noch weiter gefährdet werden.]

Handlungsaufbau und sprachliche Gestaltung

Zu Beginn des Romans scheint dieser nichts von einem Thriller zu besitzen, da es vorwiegend um die Beschreibung des Geschäftsverhältnisses zwischen Karl Romberg und Werner Vogel geht. Eingebaut werden Schilderungen von Vorgängen beim Einsatz der russischen Armee in Krisengebieten. Dabei wird der Hauptperson Oleg Blochin langsam eingeführt, ebenso wie sein engster Mitarbeiterstab. Der Leser fragt sich zu Beginn von „Oktoberfest“, was diese Sprünge alle mit dem eigentlichen Inhalt zu tun haben. Im Verlauf der Haupthandlung wird immer wieder auf die Geschehnisse im Vorfeld zurückgegriffen und der Leser erhält somit ein abgerundetes Bild. Christoph Scholder lässt seinen Roman nicht mit der Übergabe der Diamanten und der Befreiung der Geiseln enden, sondern macht das, was oft bei vielen Thrillern vermisst wird. Er lässt die Handlung weiter laufen, indem er die Jagd auf die Geiselnehmer zur zweiten Haupthandlung werden lässt.
Besonders auffällig ist bei dem Thriller „Oktoberfest“, dass jedes neue Kapitel mit einem Zitat beginnt. Überwiegend sind dies Zitate von Carl von Clausewitz. Somit überzeugt der Autor den Leser, dass er sich mit der Thematik Krieg sehr intensiv auseinandergesetzt hat. Weiterhin fällt auf, dass seine Rückblicke immer genau mit Ort und Datum versehen sind. Der Leser wird also direkt in die Handlungszeit und den Ort hineinversetzt.
Es gelingt ihm den Leser durch seine sprachliche Gestaltung in die jeweilige Situation zu versetzen und durch seine Satzkonstruktionen einen angenehmen Lesefluss zu schaffen. Was das Buch lesenswert macht ist eine recht außergewöhnliche, wie auch gewöhnungsbedürftige Aufbauweise. Der Anfang wirkt ziemlich schleppend und der Leser weiß nicht so recht, was ihn erwartet. Doch Christoph Scholder gelingt es, Spannung aufzubauen, diese wieder abflachen zu lassen und wieder aufzubauen. Gerade diese Vorgehensweise macht das Buch zu einem besonderen Thriller, der den deutschen Buchmarkt um eine neue Form des Thrillers bereichert.
Auch der Einband des Romans ist gelungen. Sowohl farbliche als auch die Bildgestaltung sind sinnvoll und dem Inhalt entsprechend ausgewählt.
Christoph Scholder: "Oktoberfest", Verlag Droemer & Knaur, 2010, ISBN: 978-3-426-19888-9,19,95€

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